04 Mai 2015

Binding Tutorial - Anleitung zum Einfassen eines Quilts

Ich werde im Geschäft so häufig gefragt, wie man das Binding für eine Quilt macht - also den Quilt einfasst - Da liegt es doch nah, dass ich endlich mal eine Anleitung machen, oder?!

Für das Binding gibt es diverse Möglichkeiten der Verarbeitung. Ich erkläre im Folgenden, wie man ein Binding mit doppelt gelegtem Einfassstreifen arbeitet.


Je nach fertiger Breite der Einfassung (so wie man die Breite auf der Seite des Quilttops sieht) muss man die 6-fache Menge an fertiger Breite + ca. 0,5 cm rechnen.
Soll also mein gewünschtes fertiges Binding 1cm breit sein, dann benötige ich eine Streifenbreite von 6,5 cm.
Um zu berechnen, wie viele Streifen a` 6,5 cm ich benötige, messe ich den Quilt längs und quer aus, nehme beide Strecken mal zwei und bekomme eine Summe X.
Ich habe z.B. bei diesem Quilt eine Länge von 147 cm und eine Breite von 111 cm - also rechne ich 2 x 147 cm + 2 x 111 cm = 516 cm.
Bei einer Stoffbreite von 110 cm würde ich also 5 Streifen benötigen, die zu einem "Endlosstreifen" aneinander genäht werden müssen. Aber Achtung! Beim Zusammennähen der Streifen muss man diese im 45° Winkel scheiden und sie dann zusammennähen, weil dadurch vermieden wird, dass die Nähte an der Nahtstelle zu dick werden. Dabei verliert man aber pro Streifen so um die 6 cm an Länge. Bei insgesamt 5 aneinander zu nähende Streife bedeutet das 30 cm weniger Streifenlänge.
Also lieber auf der sicheren Seite bleiben und eher noch einen weiteren Streifen einplanen!

Los geht´s:

1. Schritt:
Ausrechnen, wie viele Streifen man benötigt, diese zuschneiden und die beiden Enden der Streifen im 45° Winkel abschneiden.



2. Schritt:
Die Streifen aneinander nähen, dabei ist es unerheblich mit welcher Nahtzugabe dies geschieht, nur müssen die Streifen gerade aneinander genäht werden.
(Eva / Stoffleidenschaft hat im Kommentar folgenden hilfreichen Tipp hinterlassen: " Aus eigener schmerzlicher Erfahrung würde ich bei Schritt 2 erwähnen, dass darauf zu achten ist, dass die Streifen beim Zusammennähen nicht verdreht sind, sonst liegen die Nahtzugaben mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Die Gefahr besteht vor allem bei einfarbigen Bindings - bei Drucken kann man sich ja an der linken bzw. rechten Stoffseite orientieren.")



3. Schritt:
Der lange Streifen, der so einstanden ist, wird nun zur Hälfte um gebügelt. Dabei sieht man dann auch, dass die Teilungsnaht quer- und nicht übereinander verläuft :-) Das trägt dazu bei, das später an dieser Stelle nicht so ein Knubbel (-weil viele Nähte übereinander) entsteht.



4. Schritt:
Das linke Ende des Einfassstreifens wird ca. 1 cm um gebügelt.



5. Schritt:
Der Einfassstreifen wird an einer der beiden Längsseiten des Quilts mit quer gesteckten Nadeln befestigt. Dabei den Streifen ganz leicht spannen, sonst entstehen nachher bei Festnähen Falten.



6. Schritt:
Den Streifen bis zur nächsten Kante feststecken und dabei die letzte Nadel 1 cm vor der Kante positionieren. Wenn man eine andere Breite von Binding wählt, dann die Nadel um den Wert der Breite von der folgenden Kante entfernt einstechen.



7. Schritt:
Entlang der Schnittkante 1 cm breit mit einer Stichlänge von 3 - 3,5 cm entlangnähen. Ich verwende sehr gerne ein Kantenlineal, um den Abstand immer exakt gleich zu behalten.



8. Schritt:
Bis zur letzten gesteckten Nadel nähen (1 cm vor der Kante) und verriegeln. den Streifen im 45° Winkel umlegen.



9. Schritt:
Den Streifen umklappen und entlang der nun zu nähenden Kante feststecken. Der Umbug an der oberen Kante muss der Linie der oberen Schnittkante entsprechen. Mit der Naht an der oberen Kante beginnen und verriegeln nicht vergessen :-)



10. Schritt:
Alle Seiten so nähen, wie in den vorherigen Schritten beschrieben, bis man zu der Längsseite kommt, an der man angefangen hat. Das Ende des zu nähenden Streifens soll nun in die "Tasche" des Anfangs eingefügt werden. Diesen dazu im 45° Winkel wie im Bild gezeigt abschneiden.



11. Schritt:
Den Streifen in die Tasche stecken und über die Anfangsnaht hinaus festnähen (hier ist der Streifen etwas zu kurz geraten - normal sollte er zumindest bis knapp vor den Umbug des Anfangsstreifens reichen...)
(Leo / Strandkorbtraum hat einen interessanten Tipp im Kommentar hinterlassen, wonach sie diesen Schritt und den folgenden anders arbeitet: Sie schneidet das Ende des Streifens (+Nahzugabe) so ab, dass Sie ihn anschließend mit dem Anfang zusammennäht und dann im Prinzip auch nur eine weitere Teilungsnaht an dieser Stelle hat!)



12. Schritt:
Den Tunnel mit der Hand zunähen., damit der reingesteckte Endstreifen nicht mehr rausgehen kann.



13. Schritt:
Den Einfassstreifen von der Quilt-Oberseite aus nach außen Bügeln. Dann wird er um die Quilt-Kante umgelegt und auf der Rückseite mit Nadeln oder anderen Hilfsmitteln fixiert. Die Ecken werden dabei auch so gelegt, dass sich ein 45° Winkel ergibt.



14. Schritt:
Mit der Hand die Streifenkante auf der Rückseite des Quilts entlang befestigen. Möglichst kleine Stichabstände verwenden, dann ist es auch strapazierfähig!
(Man kann hier auch so verfahren, dass man die Nadeln von der Quilttop-Seite aus steckt, von der Vorderseite aus durch den Nahtschatten hindurch steppt und so das Binding hinten durch die Naht mitfasst)


Fertig :-) Ich hoffe, das die Schritte so erklärt sind, dass jeder der diese Anleitung liest und verwendet, damit klar kommt?! Wenn nicht, dann freue ich mich über Korrektur oder Tipps :-)

Kommentare:

  1. This tutorial is very clear. Thanks. I never use this method, but I give it a try next time.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dear Maartje, I dont use this kind of binding not that often, but it is the easily for beginners :-)

      Löschen
  2. Wunderbar, denn jetzt weiß ich auch endlich, wie man den letzten Bindingabschnitt schräg an den ersten bekommt. Vielen Dank für die tolle Anleitung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Martina, das ich dir was hab beibringen können ;-) Tatsächlich mache ich mein Binding eigentlich ganz anders, finde die Methode aber recht gut verständlich!

      Löschen
  3. Vielen Dank für die wunderbare, verständliche Anleitung!
    LG Sigrid

    AntwortenLöschen
  4. Hallo, so mache ich das eigentlich auch, allerdings hast du den Schluß super genäht, das muss ich mir unbedingt merken, Vielen Dank für diesen tollen Tipp, einfach klasse und sieht wunderschön aus.
    Liebe Grüße Annerose

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Annerose! Freut mich, wenn dir die Anleitung zusagt und weitergeholfen hat ;-)

      Löschen
  5. hmm - ich näh den Schluss immer mit der Maschine zu - also ich machs bis auf Schritt 11 genauso und 12 entfällt dann ... achja und wenn ich so wie du hier einfarbiges (oder eher "gleichstoffiges") binding nehm, dann schneid ich tatzächlich Schrägband

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Leo, danke für die tollen Hinweise! Ich werde darauf in den einzelnen benannten Punkten noch eine Ergänzung schreiben, damit der Tipp von dir weitergegeben wird. Das Durchnähen durch den Nahtschatten von vorne mag ich persönlich nicht so gerne, weil ich das Binding hinten auch "glatt" an den Rückseitenstoff haben möchte. Aber bekanntlich führen viele Wege nach Rom ;-)

      Löschen
    2. Liebe Leo, beim Überarbeiten ist mir gearde aufgefallen, dass du ja gar nicht das Durchnähen meitest.... sorry, das war eindeutig ein Fehler, den ich da gemacht habe - jetzt werde ich versuchen, das so zu formulieren, wie du es vermutlich meinst: Du nähst das Binding am Ende zusammen, oder? - schneidest also den Endstreifen in der vollen Breite im 45°Winkel ab und nähst die beiden Enden dann zusammen?!

      Löschen
  6. Hallo Andrea,
    super Tutorial - vielen Dank für Deinen Schluß in Punkt 11 - kannte ich auch noch nicht und probier das beim nächsten Mal aus! Aus eigener schmerzlicher Erfahrung würde ich bei Schritt 2 erwähnen, dass darauf zu achten ist, dass die Streifen beim Zusammennähen nicht verdreht sind, sonst liegen die Nahtzugaben mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Die Gefahr besteht vor allem bei einfarbigen Bindings - bei Drucken kann man sich ja an der linken bzw. rechten Stoffseite orientieren.. Liebe Grüße Eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Eva, vielen Dank für deinen Kommentar und den Tipp zu Schritt 2 - werde ich versuchen mit einzufügen, zumal ich das Problem auch schon hatte.....

      Löschen
  7. Dank deinem Foto zu Schritt 9 weiß ich jetzt, was ich beim letzten Mal falsch gemacht habe...dabei ist es so logisch! Danke und viele Grüße Anja

    AntwortenLöschen
  8. Vielen Dank für das Tutorial! Das werde ich heute abend gleich mal ausprobieren!

    AntwortenLöschen